Am 14. Oktober 2011 hat Staatsminister Bernd Neumann, Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien, die Auszeichnungen des Deutschen Jugendliteraturpreises auf der Frankfurter Buchmesse vergeben. Der einzige Staatspreis für Literatur, inzwischen bereits im 56. Jahr und gestiftet vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, wird jährlich für herausragende Werke der Kinder- und Jugendliteratur verliehen und insgesamt sind dafür 50.000 Euro vorgesehen.
„Wer liest, schaut über den Tellerrand des eigenen Lebens hinaus und erweitert seinen Horizont. Wer liest, sieht Altbekanntes und Alltägliches aus neuer Perspektive“, so Bundesfamilienministerin Kristina Schröder anlässlich der Preisverleihung. Den Wunsch des französischen Literaturprofessors Paul Hazard „Gebt uns Bücher, gebt uns Flügel“ von 1952 hat der Norweger Stian Hole, im Jahr 2010 selbst unter den Preisträgern mit seinem Bilderbuch „Garmans Sommer“, als Erkennungsmotiv des Jugendliteraturpreises 2011 bildlich umgesetzt. Mit Hilfe dieser Bücherflügel hat die Jury aus einer Menge von 587 Büchern 30 nominiert, die Preisträger 2011 herausgefiltert und die mit jeweils 8.000 Euro dotierten Preise in den Kategorien Bilder- , Kinder-, Jugend- und Sachbuch vergeben. Die unabhängige Jugendjury verleiht ihren eigenen Preis, ebenfalls mit 8.000 Euro.
Preisträger in der Sparte Bilderbuch:

Martin Baltscheit
Die Geschichte vom Fuchs, der den Verstand verlor
Bloomsbury Kinderbücher & Jugendbücher
ISBN: 978-3-8270-5397-8 € 13,90
Wir sind nicht allein auf der Welt und müssen zusammenhalten. Niemand weiß das besser als der alte Fuchs, der schon etwas in die Jahre gekommen ist. Martin Baltscheits Geschichte steckt voller Humor und Wärme. Sein alter Fuchs wächst in seiner zunehmenden Verwirrung allen ans Herz - und zeigt uns, wie leicht auch die größten Hindernisse sein können, wenn man nicht alleine ist und bleibt. Ein kluges Bilderbuch über das Älterwerden und das Zusammenleben der Generationen.
Preisträger in der Sparte Kinderbuch:

Milena Baisch (Text)
Elke Kusche (Illustration)
Anton taucht ab
Beltz & Gelberg
ISBN: 978-3-407-79966-1 € 9,95
Zugegeben, Campingurlaub mit Oma und Opa ist nicht gerade das Coolste. Zum Eigenbrödlerdasein verdammt und vor Langeweile vergehend, macht Anton schließlich eine Bekanntschaft der besonderen Art mit einem Fisch. Und damit beginnt ein Ferienabenteuer, wie es sich Anton in seinen kühnsten Heldenfantasien nicht ausgemalt hat.
Preisträger in der Sparte Jugendbuch:
Wolfgang Herrndorf
Tschick
Rowohlt Berlin Verlag
ISBN: 978-3-87134-710-8 € 16,95
Die 15-jährigen Schüler Maik und Tschick werden nicht zu Tatjanas Geburtstagsparty eingeladen. Da sich beide Eltern kaum um ihre Sprösslinge kümmern, benutzen diese die Sommerferien, um mit einem "geliehenen" Lada auf abenteuerliche Weise durch Ostdeutschland zu kutschieren. Ein toller Roman abenteuerlich-nachdenklicher Art spielt sich vor dem Leser ab, sprachlich vom Autor im reinsten Jugendjargon humorvoll gestaltet.
Preisträger in der Sparte Sachbuch:
Alexandra Maxeiner (Text)
Anke Kuhl (Illustration)
Alles Familie! Vom Kind der neuen Freundin vom Bruder von Papas früherer Frau und anderen Verwandten
Klett Kinderbuch Verlag
ISBN: 978-3-941411-29-6 € 13,90
Jeder kennt die sogenannte Bilderbuchfamilie, bestehend aus Mama, Papa und Kind(ern). Daneben gibt es aber auch viele weitere Formen des Familienlebens. Sie alle sind hier versammelt: Alleinerziehende, Patchworkfamilien in ihren verschiedenen Mixturen, Regenbogen- und Adoptivfamilien. Unterhaltsam und mit viel Humor geht es außerdem um Bluts- und Wahlverwandtschaften, um Einzelkinderglück, Geschwisterstreit und die Möglichkeit, die gleiche Nase wie Opa abzukriegen.
Preisträger der Jugendjury:
Ursula Poznanski
Erebos
Loewe Verlag
ISBN: 978-3-7855-7361-7 € 9,95
In Erebos begleiten die lesenden Jugendlichen den Protagonisten Nick in die Welt des Computerspiels Erebos und erleben, wie leicht ein Spiel manipulieren und einen selbst von Grund auf verändern kann.
Der mit 10.000 Euro dotierte Sonderpreis ging an den Übersetzer Tobias Scheffel. Die Sonderpreisjury begründete ihre Entscheidung wie folgt: „Durch seine Übersetzungen ermöglicht Tobias Scheffel im deutschen Sprachraum die Wahrnehmung ästhetisch komplexer und in verschiedener Hinsicht innovativer Werke der französischen Kinder- und Jugendliteratur. Der Sonderpreis soll in diesem Sinne nicht nur als Anerkennung seiner übersetzerischen Leistungen, sondern auch als Anerkennung seiner mit seiner Arbeit geleisteten Verdienste um die Vermittlung französischer Kinder- und Jugendliteratur in Deutschland verstanden werden.“ Unter anderem mit seinen Übersetzungen der 2007 neu aufgelegten „Barbapapa-Reihe" und der Romane von Marie-Aude Murail, allen voran das Jugendbuch Simpel (Preis der Jugendjury 2008) hat er sein selbst formuliertes Ziel – „die französische Kinder- und Jugendliteratur hierzulande bekannter zu machen“ – erreicht.
Zu den nominierten Büchern für den Jugendliteraturpreis 2011 hat der Arbeitskreis für Jugendliteratur e. V. (akj) auch dieses Mal wieder im Rahmen der bereits stattgefundenen Workshops „Preisverdächtig“ entsprechende praxiserprobte Konzepte für die weitere Beschäftigung zum Download entwickelt.
Weitere Informationen:
Deutscher Jugendliteraturpreis 2011
Abb.: Tobias Scheffel © Marcel Hinderer
Buchcover © akj bzw. Verlage